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Veränderungen – Segen oder Fluch?

„Nicht ist so beständig wie die Veränderung“
lautet die etwas saloppe Zusammenfassung einer Lebensweisheit, der wir uns gerne verschließen.

Durch eine immer größere Informationsflut, durch technische Neuerungen und eine gewisse Bequemlichkeit sind viele Zeitgenossen den Neuerungen zunehmend skeptisch gegenüber eingestellt. Ob nun neue Infrastrukturprojekte wie Stromtrassen oder Bahnhöfe, kleine Innovationen wie die Energiesparbirnen oder die Rechtschreibreform: diejenigen, die dagegen sind, verschaffen sich lautstark Gehör.

Warum denn keine Erneuerung, warum denn nicht proaktiv auf sich abzeichnende Veränderungen reagieren? Nur nichts an gegenwärtigen Zustand ändern, es könnte ja schlechter werden – so verdichten sich bei mir meine Erfahrungen der letzten Jahre zurück in Deutschland.

Die Kreativität im privaten und beruflichen Alltag lässt nach, Fortschritt wird nicht mehr gedacht, sondern allein auf status quo-Erhaltung gesetzt.

Lars Bosse

Alternativen !

Viele heute sinnvolle Erleichterungen im Alltag wären nicht da, hätten die Vorfahren ebenso gedacht: Nicht nur das Internet, die Autos und Fahrräder, Kammern und Banken sondern schon das Papier, die Streichhölzer, die Blitzableiter oder das Haltbarmachen von Lebensmitteln für den Winter.

Ist dieses heutige Verhalten krankhaft? Psychologen sprechen hier beschreibend von „Tropohobie“ oder „Neophobie“. Oder ist es nur der Wunsch, in einer anscheinend „immer schnellere Welt“ nicht ständig getrieben zu werden und möglichst viel Beständigkeit zu erleben?
Wer den Überblick behalten will, muss sich ständig anpassen und modernisieren. Die Medien nutzen ihren Informationsvorsprung gelegentlich für Skandale und Beeinflussung oder neue Serviceleistungen zu erläutern und technischen Erleichterungen vorzustellen. Selbst wer sich angesichts dieser Fülle in sein privates oder berufliches/behördliches Kern-Umfeld zurückzieht, kann sich der Veränderung nur scheinbar entziehen.

Der Wunsch nach Erhaltung des Status quo kann wissenschaftlich begründet werden: viele Menschen bewerten das als wertvoller, was haben, als das, was sie bekommen werden. Selbst in der optimistischen amerikamischen Gesellschaft hat dieser Gedanken mittlerweile mehr und mehr Anhänger. Da wundert es nicht, wenn der Mut der Wendetage 1989/1991 in Deutschland ebenfalls geschmolzen ist. Viele haben sich in Ihren Unternehmen oder Behörden, in Ihren privaten Umfeld und sozialen Netzwerken gemütlich eingerichtet. Der Leidendruck ist aushaltbar, und ein möglicher Nutzen bei einer Veränderung erscheint nicht sicher oder groß genug.

Wegweise von Lars Bosse

Wegweiser bei Veränderungen

Wenn jemand, wie ich und viele andere z.B. in meinem polnischen Bekanntenkreis, positive Erfahrungen mit Veränderungen gemacht hat, kann er sich leichter auf neues Einlassen. Leider ist das „es-wird-gelingen“ zu wenig präsent; ich meine damit nicht die Bereitschaft, gewisse technische Fortschritte wie online-banking oder Internet-Bestellungen selbst zu nutzen oder sich über die Abschaffung der Praxisgebühr und Einführung des Erziehungsgeldes zu freuen.

Bei Unternehmen wird das „Veränderungsmanagement“ genutzt, um Modernisierung einzuführen. Dann ist die Stunde der Wahrheit: ist die vorher geäußerte Kritik wirklich erlebter Leidensdruck, der Veränderung will und ermöglicht? Oder waren dies nur Lippenbekenntnisse, um sich vor anderen wichtig zu machen?

Interessant in diesem Zusammenhang mag ein Ergebnis der Alzheimerforschung sein: ein stark nach unveränderten und unkritisch übernommenen Regeln ablaufendes Leben fördert die Demenz und gesellschaftlichen Autismus.

Lars Bosse

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